Prix Jan Michalski 2013

Montricher, 13. November 2013 – Der iranische Autor Mahmud Doulatabadi erhält den Jan-Michalski-Literaturpreis 2013. In seinem Roman Der Colonel berichtet er auf ergreifende Weise vom Leben und den Qualen eines alten Offiziers, der durch die iranische Revolution drei seiner fünf Kinder verlor und seine untreue Ehefrau auf dem Gewissen hat.

 Von seiner Familie sind dem Colonel nur noch der von Albträumen geplagte Sohn Amir geblieben, Zeuge und Opfer von Gräueltaten im Gefängnis, sowie die Tochter Parvaneh, verheiratet mit einem brutalen, opportunistischen Handlanger der wechselnden Regimes. Im Dialog mit seinem Sohn blickt der Colonel auf die tragischen Ereignisse der iranischen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg zurück und vermittelt ein eindrucksvolles Bild von der Düsternis und Ausweglosigkeit, die das Leben vieler Iraner in ihrem von Ideologien zerrissenen Land prägt.

 Mahmud Doulatabadi wurde 1940 in Sabzévâr im Nordosten des Irans geboren und lebt heute in Teheran, wo er persische Literatur unterrichtet. Es gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen iranischen Schriftsteller und verfasste zahlreiche Erzählungen, Romane und Theaterstücke. Sein Roman Der Colonel wurde von der Zensur in seinem Heimatland verboten und auf Persisch bisher nicht veröffentlicht.

 Die Vorsitzende der Jury, Vera Michalski-Hoffmann überreichte Mahmud Doulatabadi den mit 50.000 Schweizer Franken dotierten Preis sowie ein eigens zu diesem Anlass geschaffenes Werk des französischen Künstlers Philippe Cognée.

 Eine besondere Würdigung durch die Jury erfuhren ausserdem zwei weitere Autoren, die es mit ihren Werken auf die Shortlist des Jan-Michalski-Literaturpreises 2013 geschafft hatten, nämlich der französische Historiker und Essayist Serge Gruzinski für sein Werk L‘Aigle et le Dragon – Démesure européenne et mondialisation au XVe siècle sowie der schwedische Schriftsteller Steve Sem-Sandberg für seinen Roman Die Elenden von Łódź, in dem er von den Geschehnissen im Getto von Łódź während der deutschen Okkupation Polens erzählt.

 Der Jan-Michalski-Literaturpreis wurde 2013 bereits das vierte Mal verliehen. In den drei vorangegangenen Jahren erhielten die Auszeichnung Julia Lovell für ihre historische Studie The Opium War (2012), György Dragomán für seinen Roman Der weiße König (2011) sowie Aleksandar Hemon für seinen Roman Lazarus (2010).

 Die Besonderheit des Jan-Michalski-Literaturpreises liegt in seiner multikulturellen Ausrichtung. Er will einen Beitrag zur internationalen Anerkennung von Schriftstellern leisten. Die international besetzte Jury unter dem Vorsitz von Vera Michalski-Hoffmann besteht aus dem polnischen Romancier, Essayisten und Übersetzer Marek Bieńczyk, dem französischen Schriftsteller und Essayisten Yannick Haenel, der britischen Journalistin, Schriftstellerin und Gründerin von Chinadialogue.net Isabel Hilton, dem Slawisten, Essayisten, Übersetzer und Honorarprofessor an der Universität Genf Georges Nivat, dem in Bulgarien geborenen deutschen Schriftsteller und Verleger Ilija Trojanow sowie dem indischen Schriftsteller, Verleger und Journalisten Tarun Tejpal.

 Die Mitglieder der Jury üben ihr Amt ehrenamtlich und unabhängig aus. Sie schlagen Werke aus ihren jeweiligen Sprachen vor, über die in den Jurysitzungen diskutiert wird. Die ausgewählten Werke werden, falls nötig, in eine von allen Mitgliedern der Jury beherrschte Sprache übersetzt. Nur bereits veröffentlichte und von den Mitgliedern der Jury vorgeschlagene Werke werden bei der Verleihung des Jan-Michalski-Literaturpreises berücksichtigt.

 

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